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Elektroinstallation erneuern – Kosten im Altbau 2026

Von Jakob Schick|16. März 2026|9 Min. Lesezeit
Stand: 16. März 2026

Eine Elektroinstallation im Altbau zu erneuern kostet 2026 zwischen 80 und 130 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche, inklusive Material und Arbeit. Für eine 80-qm-Altbauwohnung bedeutet das 6.400 bis 10.400 Euro. Die Preisspanne hängt davon ab, ob nur der Verteilerkasten und die Leitungen ausgetauscht werden oder ob auch die Unterverteilung, Schalter, Steckdosen und Beleuchtungsanschlüsse komplett neu geplant werden.

Das Wichtigste in Kürze
  • 80-qm-Altbauwohnung: 6.400–10.400 € für komplette Elektroerneuerung — Folgekosten für Putz und Malerarbeiten kommen oben drauf
  • Veraltete Aluminium-Leitungen, fehlende FI-Schutzschalter und zu wenige Stromkreise: häufig in Altbauten vor 1970
  • Elektriker-Stundensatz 2026: 50–65 €/h — Lohnanteil macht 50–60 % der Gesamtkosten aus
  • BAFA fördert Elektroinstallation nicht direkt, aber als Teil einer energetischen Gesamtsanierung über den Sanierungsfahrplan (iSFP)

Die Erneuerung der Elektroinstallation ist das unsichtbarste aller teuren Gewerke. Fliesen sehen Sie. Neuen Boden spüren Sie. Neue Leitungen hinter dem Putz? Nichts. Trotzdem ist es eine der wichtigsten Investitionen: Veraltete Elektrik ist ein Sicherheitsrisiko und nach Brandstatistiken eine der häufigsten technischen Brandursachen in deutschen Wohngebäuden.1

Wann muss die Elektrik erneuert werden?

Es gibt keine gesetzliche Pflicht, eine bestehende Elektroinstallation zu erneuern, solange sie nicht unsicher ist. In der Praxis gibt es aber klare Anlässe:

  • Leitungen aus den 1960er-Jahren oder älter: Aluminium-Leitungen, Stoffisolierung, fehlende Schutzleiter. Diese Installationen entsprechen nicht mehr den aktuellen Normen (DIN 18015, VDE 0100).2
  • Zu wenige Stromkreise: Altbauwohnungen haben oft nur 2 bis 3 Stromkreise für die gesamte Wohnung. Moderne Anforderungen (Waschmaschine, Geschirrspüler, E-Herd, Homeoffice) verlangen 8 bis 12 Stromkreise.
  • Fehlender FI-Schutzschalter: In Gebäuden vor 1984 fehlt der Fehlerstromschutzschalter oft komplett. Seit 2009 ist er für alle Steckdosenstromkreise Pflicht.
  • Sanierung anderer Gewerke: Wenn Wände aufgestemmt werden (Bad, Küche, Heizung), ist es sinnvoll, die Elektrik gleichzeitig zu machen. Nachträgliches Schlitzen kostet deutlich mehr.

Was kostet eine neue Elektroinstallation im Altbau?

Die folgende Tabelle zeigt die Kosten nach Leistungsumfang. Alle Preise verstehen sich als Nettopreise inklusive Material und Arbeit, ohne Malerarbeiten (Schlitze zuputzen).

LeistungKosten pro EinheitErläuterung
Kompletterneuerung80 bis 130 €/qmAlle Leitungen, Verteiler, Steckdosen, Schalter
Zählerschrank/Verteiler erneuern1.200 bis 2.500 € pauschalSicherungskasten mit FI, LS-Schalter
Steckdose setzen (Unterputz)80 bis 150 € pro StückInkl. Schlitz, Dose, Leitung, Anschluss
Lichtschalter setzen60 bis 120 € pro StückInkl. Schlitz, Dose, Leitung
Deckenauslass (Lampe)70 bis 130 € pro StückInkl. Leitung vom Verteiler
Herdanschluss (Drehstrom)200 bis 400 € pauschalEigener Stromkreis, 400V
Durchlauferhitzer-Anschluss250 bis 450 € pauschalEigener Stromkreis, Absicherung
Netzwerk-/TV-Dose80 bis 130 € pro StückCAT-7-Leitung + Dose

Beispielrechnung: 80-qm-Altbauwohnung

PositionMengeKosten
Zählerschrank mit FI-Schutz11.800 €
Stromkreise (Leitungen, Absicherung)103.000 €
Steckdosen Unterputz353.500 €
Lichtschalter121.080 €
Deckenauslässe8800 €
Herdanschluss Drehstrom1300 €
Durchlauferhitzer-Anschluss1350 €
Summe Elektro (ohne Putz/Maler)10.830 €
Schlitze zuputzen (Malerarbeiten)ca. 40 lfdm600 bis 1.200 €
Gesamtkosten11.430 bis 12.030 €

Die Malerarbeiten nach dem Schlitzen werden fast immer vergessen – sie stehen technisch nicht in der Elektrik-Rechnung, müssen aber von irgendjemand erledigt werden. Das kostet 600 bis 1.200 Euro. Wer das im Angebot nicht findet, wird es als Nachtrag sehen.

Warum Altbau-Elektrik so viel teurer ist

Warum kostet dieselbe Installation im Altbau 40 bis 60 Prozent mehr als im Neubau? Vier Gründe.

1. Wände schlitzen

Im Altbau müssen Leitungen unter Putz verlegt werden – das heißt: Schlitzen, Leitungen verlegen, verputzen, abwarten bis es trocken ist, dann erst Maler. Das macht 20 bis 30 Prozent der Gesamtkosten aus. Im Neubau werden Leitungen vor dem Verputzen eingelegt. Kein Schlitz, kein Problem.

2. Bestandsaufnahme ohne Pläne

In Altbauten existieren selten aktuelle Installationspläne. Der Elektriker muss jeden Stromkreis einzeln nachverfolgen, bevor er auch nur eine Leitung abklemmt. Zwei bis vier Stunden nur für die Bestandsaufnahme – bei 50 bis 65 Euro Stundensatz macht das 100 bis 260 Euro, die kaum jemand im Angebot ausweist.

3. Schwieriger Untergrund

Lehm- oder Ziegelwände, Holzbalkendecken, Stuckdecken, Fachwerk. Jede dieser Bauweisen erfordert andere Werkzeuge und oft Aufputzlösungen, die im Altbau teurer ausfallen als in Massivbauweise.

4. Reihenfolge mit anderen Gewerken

Wenn gleichzeitig Bad, Küche oder Heizung saniert werden, muss die Elektrik koordiniert werden. Wände dürfen erst geschlossen werden, wenn alle Gewerke fertig sind. Kommt der Sanitärer nach dem Elektriker, werden Schlitze erneut aufgestemmt. Das passiert öfter als man denkt – und landet immer als Nachtrag.

Was ein vollständiges Elektriker-Angebot enthalten muss

Viele Angebote klingen günstig – bis man nachfragt, was genau drin ist. Diese Punkte sollten explizit aufgeführt sein:

  • Bestandsaufnahme und Planung: Aufnahme des Ist-Zustands, Planung der neuen Installation
  • Demontage: Alte Leitungen, Dosen, Schalter, Verteiler entfernen
  • Verteiler: Neuer Zählerschrank mit FI-Schutzschaltern, Leitungsschutzschaltern, Reserveplätzen
  • Leitungsverlegung: Anzahl Stromkreise, Leitungstyp (NYM-J), Querschnitt
  • Endgeräte: Steckdosen, Schalter, Deckenauslässe, Sonderanschlüsse (Herd, Durchlauferhitzer)
  • Netzwerk und Multimedia: CAT-7-Leitungen, TV-Dosen, Leerrohre (wenn gewünscht)
  • Prüfung und Dokumentation: Erstprüfung nach VDE, Prüfprotokoll, Installationsplan

Häufig fehlende Positionen:

  • Schlitze zuputzen (macht oft der Maler, nicht der Elektriker, aber irgendjemand muss es tun)
  • Durchbrüche und Kernbohrungen (bei Betonwänden)
  • Brandschutzschottungen (bei Durchführungen durch Brandwände)
  • Provisorische Stromversorgung während der Arbeiten
  • Entsorgung Altmaterial

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Häufige Fragen zur Elektrik im Altbau

Was kostet eine neue Elektroinstallation pro qm im Altbau?

Zwischen 80 und 130 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche, inklusive Material und Arbeit. Für eine 80-qm-Wohnung sind das 6.400 bis 10.400 Euro. Hinzu kommen Kosten für das Zuputzen der Schlitze (600 bis 1.200 Euro) und ggf. Sonderanschlüsse.

Muss ich die Elektrik bei einer Sanierung erneuern?

Es gibt keine gesetzliche Pflicht, eine bestehende Installation zu erneuern. Wenn die Installation aber nicht den aktuellen Sicherheitsstandards entspricht (fehlender FI-Schutz, Aluminium-Leitungen, fehlende Schutzleiter), empfiehlt sich eine Erneuerung. Bei einer Kernsanierung ist sie praktisch immer sinnvoll, weil die Wände ohnehin geöffnet werden.

Kann ich Teile der Elektrik selbst machen?

Schlitze stemmen und zuputzen können Sie selbst machen. Alle Arbeiten an der eigentlichen Elektroinstallation (Leitungen verlegen, Anschlüsse herstellen, Verteiler einbauen) dürfen nur von eingetragenen Elektrofachbetrieben ausgeführt werden. Das ist gesetzlich vorgeschrieben und haftungsrelevant.

Wie lange dauert eine Elektroerneuerung im Altbau?

Für eine 80-qm-Wohnung rechnen Sie mit 5 bis 8 Arbeitstagen. Bei gleichzeitiger Sanierung anderer Gewerke kann sich die Dauer durch Wartezeiten zwischen den Gewerken auf 2 bis 3 Wochen strecken.

Weiterführende Ratgeber

Quellen

  1. Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung (IFS): Brandursachenstatistik. Elektrizität ist mit rund 30 % die häufigste technische Brandursache in Deutschland.
  2. DIN 18015-2: Elektrische Anlagen in Wohngebäuden. Mindestausstattung.

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